Das Thema Liebe im Dîvân von Kaygusuz Abdâl
DOI:
https://doi.org/10.24082/2025.abked.537Schlagworte:
Dîvân von Kaygusuz Abdâl, Sufismus, Liebe, göttliche Liebe, bildhafte LiebeAbstract
Diese Studie untersucht die Darstellungen, symbolischen Dimensionen und mystischen Bedeutungsebenen des Liebesbegriffs im Dîvân des bedeutenden sufischen Dichters Kaygusuz Abdâl, der Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts lebte. Kaygusuz Abdâl interpretiert die Liebe als ein zentrales Prinzip in der Hinwendung des Menschen zur göttlichen Wahrheit und zugleich als transformierende Kraft im Prozess der Rückkehr des Seins zu seinem Ursprung. Er sieht die Liebe sowohl als Quelle als auch als Manifestation der ewigen Verbindung zwischen Mensch und Gott. In seinen Gedichten ist die Liebe das zentrale Mittel, um zur Essenz des Seins zurückzukehren, das eigene Selbst aufzulösen und Erkenntnis der Wahrheit zu erlangen. Darüber hinaus wird das Herz, das in seinen Gedichten als Manifestationsort der Liebe hervorsticht, als ihr einziger Raum positioniert. Durch die Verwendung von Volkssprache, Lehrversen, direkter Ansprache und allegorischer Darsteller gelingt es Kaygusuz Abdâl, das abstrakte Konzept der Liebe auf die Ebene konkreter Erfahrung zu übertragen. In diesem Sinne begreift er die mystische Liebe nicht nur als metaphysisches Konzept, sondern auch als inneren Transformationsprozess des Menschen. Die Gedichte des Dîvân behandeln die Liebe sowohl auf bildhafter (mecazi) als auch auf wahrer (hakiki) Ebene, wodurch die Übergänge zwischen weltlicher Zuneigung und göttlicher Liebe gekonnt herausgearbeitet werden. Die vom Dichter verwendete Sprache kombiniert die ästhetische Struktur klassischer Poesie mit volkstümlicher Ausdrucksweise und schafft so einen einzigartigen mystischen Stil, in dem Liebe als Symbol für Suche, Innigkeit und Läuterung erscheint. Zusammenfassend ist die Liebe im Dîvân von Kaygusuz Abdâl nicht nur ein thematisches Element, sondern das zentrale Prinzip des Transformationsprozesses, durch den der Mensch gemäß dem Konzept der Vahdet-i Vücut (Einheit des Seins) von seinem Selbst gereinigt wird und das absolute Sein erreicht. In der vorliegenden Arbeit werden ausgewählte Doppelverse aus dem Dîvân analysiert, um den Liebesbegriff in Bezug auf sein Wesen, sein Ergebnis, seine poetische Ästhetik, seinen Ort der Manifestation im Menschen und seinen Weg zu untersuchen. Methodisch werden rein textliche mit mystisch-theologischen Interpretationen kombiniert, um die mehrschichtige Struktur der Liebe sichtbar zu machen. Die Ergebnisse verdeutlichen die besondere Stellung Kaygusuz Abdâls in der sufischen Dichtungstradition und die Tiefe seines Liebesverständnisses.
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