Tiere in der alevitischen Mythologie und ihnen zugeschriebene symbolische Bedeutungen

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.24082/2025.abked.539

Schlagworte:

Alevitentum, Mythologie, alevitische Mythologie, Tiere, Symbolik

Abstract

Mythen, die als Erzählungen der Wahrheit gelten und als real sowie heilig angesehen werden, befassen sich damit, wie eine bestimmte Wirklichkeit entstanden ist, wie etwas erschaffen wurde oder wie ein Objekt beziehungsweise ein belebtes oder unbelebtes Wesen zu seiner heutigen Form und Bedeutung gelangt ist. In Anbetracht dessen, dass jedem belebten und unbelebten Wesen eine mythische Geschichte zugeschrieben wird, lässt sich festhalten, dass auch Tiere als Teil der natürlichen Lebenswelt über eine eigene mythische Geschichte verfügen. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte hat der Mensch die Wesen in seiner Umwelt zu erklären versucht und ihnen Bedeutungen zugeschrieben. Als Mechanismen der Sinnstiftung haben Mythen die Glaubensvorstellungen der Menschen sowie ihre Wahrnehmung der Außenwelt und der in ihr existierenden Wesen maßgeblich geprägt. Die im Kontext einer mündlichen Kulturtradition entstandene Sprache des alevitischen Weges ist von mythischen und mystischen Bedeutungen durchzogen. Innerhalb dieser eigenständigen Sprachwelt, die mythische Erzählungen in sich trägt, verfügt das Alevitentum über eine spezifische Mythologie. Diese erklärt, wie Institutionen, Glaubensvorstellungen, Rituale und die äußere Umwelt wahrgenommen und interpretiert werden. Diese Studie soll also zu einem besseren Verständnis der Sprache des Glaubensweges, des Glaubens und der Mythologie im Alevitentum beitragen. Ziel dieser Studie ist es aufzuzeigen, wie Tiere in alevitischen mythischen Erzählungen erklärt werden, welche Aspekte des Glaubens sie beeinflussen oder verdeutlichen und ob der Reinkarnationsglaube einen Einfluss auf tierbezogene Glaubensvorstellungen ausübt. Die Studie basiert auf einem qualitativen Forschungsansatz und einem kulturwissenschaftlichen Analysemodell. Zwecks Datenerhebung wurden anhand zuvor festgelegter Leitfragen während der Feldforschung halbstrukturierte Interviews durchgeführt. Die Interviews wurden mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Zur Auswertung der Daten wurde eine Inhaltsanalyse vorgenommen. Die Untersuchungsgruppe bestand aus Dedes, Âşıks, Talips und Babas, die das traditionelle Alevitentum repräsentieren und in Landkreisen und Dörfern der Provinzen Amasya, Çorum, Samsun und Tokat leben. Im Rahmen der Forschung wurden mythische Erzählungen über Tiere wie Ochsen, Fische, Schlangen und andere Reptilien, Krähen, Schwalben, Löwen, Katzen, Kraniche, Tauben, Hasen, Bären, Wölfe, Pferde, Maultiere, Hühner und Hähne gesammelt, die erklären, wie diese Tiere ihre heutigen Formen, Eigenschaften und symbolischen Bedeutungen erhalten haben. Demnach seien die physischen Erscheinungsformen und charakteristischen Merkmale einiger Tiere auf ihre Verbindung zu religiösen Persönlichkeiten wie dem Erzengel Gabriel, Eva, Ismael, Muhammad, Ali, Hızır und Hacı Bektaş Veli zurückzuführen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass der im alevitischen Glauben stark ausgeprägte Reinkarnationsglaube maßgeblichen Einfluss auf die Haltung der alevitischen Gemeinschaft gegenüber bestimmten Tierarten hat. Zu den weiteren Ergebnissen gehört die Erkenntnis, dass das jeweilige geografische Umfeld und die daran geknüpften wirtschaftlichen Tätigkeiten dazu führen, dass bestimmte Tiere – insbesondere Stall- und Nutztiere – als wertvoller angesehen werden, während Wildtiere aus Bergregionen weniger Anerkennung finden.

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Veröffentlicht

2025-12-29

Zitationsvorschlag

[1]
Şahin, M. 2025. Tiere in der alevitischen Mythologie und ihnen zugeschriebene symbolische Bedeutungen. Forschungszeitschrift über Alevitentum und Bektaschitentum. 32 (Dez. 2025), 76–122. DOI:https://doi.org/10.24082/2025.abked.539.

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