Glaubensvorstellungen und Rituale im Zusammenhang mit dem Tod bei den Tahtacı-Aleviten des Dorfes Yakapınar

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.24082/2025.abked.531

Schlagworte:

Ritual, Tod, Tahtacı, Aleviten, Dorf Yakapınar

Abstract

Der Tod gehört seit Beginn der Menschheitsgeschichte zu den Naturereignissen, denen sich Individuen und Gesellschaften nicht entziehen können. Während er aus wissenschaftlicher Sicht als irreversibler Stillstand von Kreislauf und Atmung definiert wird, betrachten menschliche Gesellschaft den Tod zugleich als ein kulturelles Phänomen. Als kulturelles Ereignis drückt sich der Tod durch die Rituale aus, die Gesellschaften um dieses Phänomen herum entwickelt haben. In einigen Gesellschaften wird der Tod nicht als Ende, sondern als Beginn eines neuen Lebens verstanden. Er wird als der Anfang der unendlichen Reise der menschlichen Seele nach ihrem Abschied von der irdischen Welt beschrieben. Gesellschaften haben Rituale rund um den Tod entwickelt, um die Ohnmacht, die dieses unabwendbare Naturereignis auslöst, wie auch den mit dem Tod einhergehenden Schmerz zu lindern. Hauptziel dieser Rituale ist es, den Übergang bzw. die Reise der verstorbenen Person in die „jenseitige Welt“ zu erleichtern und zugleich den Schmerz der Hinterbliebenen zu lindern.

Zu den Gesellschaften, die gegenwärtig die Vorstellung bewahren, dass der Tod kein Ende bedeutet, zählen die Tahtacı-Aleviten. Bei den Tahtacı wird der Tod nicht nur als ein neuer Anfang, sondern auch als eine Rückkehr zum Ursprung verstanden. Dieser Auffassung liegt der Glaube zugrunde, dass der Mensch aus dem göttlichen Licht Allahs erschaffen wurde und nach dem Tod wieder zu ihm, also zu seinem Ursprung, zurückkehrt. Dass der Tod in der Tahtacı-Gemeinschaft zugleich als „Gang zu Gott“ (Hakk’a yürümek) bezeichnet wird und die tröstenden Worte, die im Todesfall geäußert werden, Bezug auf diese Reise des Verstorbenen nehmen, kann als Beleg dafür gelten, dass diese Glaubensvorstellungen bis in die Gegenwart fortbestehen. Neben dem Glauben an die Rückkehr zum Ursprung findet sich in der Tahtacı-Gemeinschaft auch die Vorstellung, dass die menschliche Seele nach dem Tod in anderen Existenzformen weiterbesteht. Darüber hinaus unterscheiden die Tahtacı zwischen zwei unterschiedliche Arten des Todes.

In diesem Beitrag werden die Definitionen des Todes bei den Tahtacı sowie die in diesem Zusammenhang praktizierten Rituale am Beispiel des Dorfes Yakapınar, eines von drei Dörfern im Landkreis Bayındır der Provinz Izmir, in dem Tahtacı-Aleviten beheimatet sind, unter Anwendung quantitativer Forschungsmethoden untersucht. Die um den Tod herum vollzogenen Rituale werden vergleichend mit den Todesvorstellungen und -ritualen der alttürkischen Tradition analysiert. Zudem werden ihre heutigen Ausprägungen sowie Veränderungen in der Ritualpraxis erläutert. Zu Zwecken der verständlichen Darstellung und auf Grundlage der in dieser Studie vorgenommenen Literaturrecherche werden die Todesrituale in drei Phasen gegliedert: Rituale vor dem Tod, während des Todes und nach dem Tod.

Downloads

Keine Nutzungsdaten vorhanden.

Veröffentlicht

2025-12-29

Zitationsvorschlag

[1]
Aydınlıoğlu, S.Y. 2025. Glaubensvorstellungen und Rituale im Zusammenhang mit dem Tod bei den Tahtacı-Aleviten des Dorfes Yakapınar. Forschungszeitschrift über Alevitentum und Bektaschitentum. 32 (Dez. 2025), 141–180. DOI:https://doi.org/10.24082/2025.abked.531.

Ausgabe

Rubrik

Artikel