Edirne 1563: Eine anklage Wegen ketzerei im schatten falscher Zeugen

Autor/innen

  • Cahit Telci İzmir Kâtip Çelebi Üniversitesi Sosyal ve Beşeri Bilimler Fakültesi Tarih Bölümü

DOI:

https://doi.org/10.24082/2019.abked.244

Schlagworte:

Edirne, Ketzer und Ketzerei, Vâlihi, Ruşenî, befangener Zeuge

Abstract

Einer der wichtigsten Faktoren des Gesellschaftslebens der Osmanen betrifft die Bevölkerungselemente, die seit ungefähr zweihundertfünfzig Jahren geläufig als Aleviten bezeichnet werden. Aufgrund der Rivalität gegenüber dem Safawiden Staat maß die Osmanische Verwaltung insbesondere den sunnitischen Politiken ein höheres Gewicht bei. Man kann sagen, dass ab der Ära von Kanuni ein Führungsverständnis praktiziert wurde, welches die sunnitische Politik priorisierte und bemüht war, die nicht sunnitischen Faktoren kontinuierlich unter Kontrolle zu halten. Dabei verfolgte die Osmanische Führung Leute, die des Lesens und Schreibens kundig waren und über ein hohes Potenzial verfügten, mit dem sie ihr Umfeld beeinflussen konnten, aufgrund ihrer Beziehungen zu dieser Art von nicht sunnitischen Tendenzen noch aufmerksamer. Aus diesem Grund sollte man Begriffe wie Ketzerei (ilhat), Ungläubiger (zendeka) und rafizi (rafz), die das nicht sunnitische Gebiet definieren, eher als ein Produkt politischer Ursachen ansehen, wenn sie auch religiöse Motive in sich tragen mögen.

Während die Osmansiche Führung diese Art von geistigen Strömungen gelegentlich unter Einsatz von Provinzkräften hart bekämpfte, brachte sie von Zeit zu Zeit auch Kontroll- und Rechtsmechanismen in dem Musterfall, um den es hier geht, in Gang.

Leider ist die Gesamtzahl der Praxistexte aus den Reihen der Dokumete, die es bis in die Gegenwart geschafft haben und zeigen, wie und mit welchen Argumenten diese Ideen oder Strömungen – damals - hinterfragt wurden, nicht mehr als die Finger, die man an einer Hand zählen kann. Der Bericht des Musterfalls, der im Vergleich zu ähnlichen Berichten ein wenig umfassender ist, zeigt einerseits die kontextbezogenen Argumente, die herangezogen wurden und andererseits informiert sie auch darüber, wie in der Rechtspraxis des Osmansichen Staates eine Strafanzeige im Kontext der Ketzerei verfolgt wurde und wer dazu Aussagen gemacht hat und wie das Verhalten der lokalen Kräfte war.

Mit den betreffenden Straftaten, die in der Osmanischen Welt zum Gegenstand der Untersuchung wurden, zeigte sich auch sehr auffallend, wie das System der befangenen Zeugen damals funktionierte. Ohne Zweifel ist es auch äußerst wichtig, dass in den Verfahren wegen Ketzerei und Gottleugnung, die im Osmanischen Justizapparat auch die Qualität einer Katalogstraftat hatten, die Leute mit ihren gemachten Aussgen sowohl die Erwartungen der Ankläger als auch die der befangenen Zeugen zu nichte machten.

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Veröffentlicht

2019-06-30

Zitationsvorschlag

[1]
Telci, C. 2019. Edirne 1563: Eine anklage Wegen ketzerei im schatten falscher Zeugen. Forschungszeitschrift über Alevitentum und Bektaschitentum. 19 (Juni 2019), 1–48. DOI:https://doi.org/10.24082/2019.abked.244.

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